Der Volksmund ist psychoanalytisch geworden: Du verdrängst nur, heisst es. Du rationalisierst. Dies und das sind bloss Ersatzhandlungen. Freud wäre skeptisch. Wer Sucht als Ersatzhandlung abtut, übersieht, wie trickreich das Leben vorgeht. Dazu braucht es eine Sichtweise oder eine Lesart, die über Freud hinausgeht. Was keineswegs gegen ihn spricht.
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Süchtige gelten für selbstbezogen, für rücksichtslos. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Eigentlich nicht einmal das.
Die Luft wird dünn. Vorwürfe und Unverständnis nehmen zu. Auch Hass kommt auf. Am Bahnhof vernahm ich übers Gleis hinweg, wie jemand, der in Sachen Corona die Regeln genau befolgte, seiner Wut über Kollegen Luft verschaffte, die die Sache weniger ernst nahmen. Nun sei er allein. Im Stich gelassen. Wohl in Quarantäne.
Das Thema musste ja kommen. Die Krise lobt die Treuen, sofern sie auch zuvor ihr Bett teilten. Ansonst herrscht Notstand. Das Rotlicht sei ausgeknipst, heisst es lapidar. Andere treibt es um, wie sie auf eineinhalb Metern Abstand anbändlen möchten. Das hängt davon ab, wie weit das umbuhlte Gegenüber seinen Schutz aufzugeben bereit ist. Allerdings gibt es eine Gruppe, die von all dem ungerührt durch die Krise steuert, ohne treu zu sein. Ausser sich selbst.
Der Streit zwischen Fleischessern und Gutmenschen, die nur Grünzeug kleinhacken, interessiert mich immer weniger. Stattdessen bin ich, wie so oft, nun auch hier, auf Umdeutung von Sachverhalten aus, die uns allzu selbstverständlich erscheinen.
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Kinder schielen nach der Reaktion von Erwachsenen, wenn sie sich stossen. Sie überprüfen, für wie schlimm der Vorfall eingeschätzt wird. Erst dann wird geweint oder eben nicht. Auch wir Erwachsenen äugen nach Normen, damit wir unser Verhalten anpassen. Oder es rechtfertigen. Je nach Situation wirken sie auf uns sogar wie eine Verführung.
Dieses Frühjahr fuhr ich mit dem Backfiez über Land, den öffentlichen Verkehr zu meiden. Auf meiner Rückkehr von der Arbeit oberhalb Nussbaumen geriet ich in ein prachtvolles Abendrot.
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Gier gibt’s nicht. Nicht die bewusstlose Gier, die brünstig hortet und zusammenrafft. Diese Bestimmung von Gier, die ihrerseits eher bewusstlos scheint, verdeckt leider, wie gefährlich Gier bei Menschen wirklich ist.
Schadenfreude gibt`s nicht. Wie bitte? Natürlich lachen die Leute über die Missgeschicke anderer. Das Netz wimmelt von Filmchen dieser Art. Die Freude aber hat nur zweitrangig mit dem Schaden zu tun. Und gewiss nicht damit, dass die Person erniedrigt wird, die ihn erleidet. Ausgenommen der Fall, dass der Schadenfrohe mit ihr eine Rechnung zu begleichen hat.
Die Weltoffenen unter uns begeistern sich für die Vielfalt an Kulturen. Sie betonen das Gemeinsame unter Menschen weltweit. Ihre Begeisterung verstummt jedoch abrupt, sobald es um Frauenbeschneidung geht. Da hört alle Gemeinsamkeit auf. Das ändert nichts daran, dass diese empfindliche Verstümmelung in einem Grundsatz verankert ist, der uns auch heute genauso am Herzen liegt.

Johann Sebastian Bach wurde mir immer als frommer Mensch nahegebracht, der bar jeder Eitelkeit alles zu Ehre Gottes ausführte. «Soli Deo Gloria», so lautet seine Formel. Mir scheint, darin verbirgt sich auch eine Selbstdisziplinierung voller Angst. Weiterlesen „Bach. Ein Fall intimer Ökonomie“

Das Geschlecht ist uns angeboren. Das scheint sonnenklar. Ist es aber nicht. Seit Langem herrscht eine andere Meinung vor. Demnach wird uns das Geschlecht anerzogen. Kann es nicht beides sein? Einmal rutschte mir die Bemerkung heraus, Frauen seien stärker ins menschliche Leben inkarniert als Männer. Man fand diese Aussage schon etwas irritierend. Ich versuche mich zu erklären:

Auch das Vereinsleben hat sein Sterben. Sonst wäre es keines. Eine geheime Trauer liegt über dem Land. Dieser Nebel jedoch dünnt aus, denn die Trauernden sterben weg. Weiterlesen „Vereinsleben“

Neuerdings werden rote Linien gezogen. Das heisst, wer bestimmte Werte ablehnt, scheidet als Gesprächspartner aus. Diese Linien richten sich besonders gegen Faschisten. Ihr Hass gilt als Tabu für jeden weiteren Austausch. Für mich ist alles Menschliche Gesprächspartner. Daher setze ich mich für eine ungewohnte Lesart von Hass ein. Weiterlesen

Letzthin war ich zu einem Jubiläum eingeladen. Die Grosstante meiner Partnerin feierte ihren Hundersten. Mein Erscheinen sorgte für Unmut, da ich für diesen Anlass zu sommerlich gekleidet war. Erst später würde mir Genugtuung widerfahren. Weiterlesen

Seit Jahren wird erneut vor dem Antisemitismus gewarnt. Mit Nachdruck. Der Hass auf Juden ist ein Reflex, kein Denken. Er gehört zu den Kennzeichen der spättierischen Phase menschlichen Lebens, wo Impulse immer wieder sachliche Überlegungen durchkreuzen. Sicher aber ist er eine bequeme Einstellung. Kein Grund, deshalb gleich philosemitisch zu werden. Das Judentum lässt sich in einer Weise verstehen, die beide Pole hinfällig macht.
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Über drei Stunden Maske tragen im Zug, ohne Pause, das hatte ich zunächst unterschätzt. Bisher genoss ich Erlösung spätestens nach einer Viertelstunde. Diese Prüfung bestand ich erst nach einer kleinen Höllenfahrt. Um da herauszukommen, war viel Gedankenarbeit erforderlich. Weiterlesen

Erwachsene verändern sich. Wie alles. Eine Schulleiterin, die sich ungewöhnlich lange im Amt hält, meinte zu mir, seit wenigen Jahren seien Eltern kritischer geworden. Und zwar aus Unsicherheit, wie sie mutmasst. Ich horche auf. Denn diese Eltern sind genau so alt wie ich.
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Unter Menschen herrscht eine Art Gesetz des Ausgleichs: Die eigene Sache wird derart betont, dass die gegnerische Eigenart in Misskredit gerät. Jedenfalls geschieht das offenkundig bei Kindern. Zum Beispiel vor den Ferien. Weiterlesen
Religiöse Praktiken mögen überholt sein. Sie weichen derart von heutigen Lebensformen ab, dass sie schon wieder provokant wirken.
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Es berührt uns herzallerliebst, wenn Kleinkinder Klötze aufeinandertürmen und ihr Bauwerk mit viel Gekreisch wieder zerzausen. Unsere Freude daran wird von der Gewissheit getragen, dass die Kleinen irgendwann zur Vernunft kommen werden. Dabei übersehen wir, dass das Leben in diesem Vorgang etwas von sich verrät.
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Ein Mann mit Gehhilfe wartet auf dem Bahnsteig. Er atmet schwer, hat einen knallroten Kopf. Seine Bedürftigkeit scheint offensichtlich. Aber das kann täuschen. Was Behinderung angeht, sind wir normal Verfasste mit einer besonderen Blindheit geschlagen. Also um kein Haar weniger bedürftig. Weiterlesen
Scheue Kinder fremden, heisst es hierzulande. Aber auch gewisse Erwachsene verhalten sich so. Man weiss ja nichts voneinander. Das macht vorsichtig. Diese gängige Überzeugung, warum wir uns so benehmen, ist womöglich verfehlt. Erwachsene fremden, so vermute ich, weil sie eher zu viel voneinander wissen.
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Korruption ist ein heftiger Vorwurf. Was die Krise anbetrifft, so erschallt er häufiger als sonst. Und wie üblich mit viel Empörung aus voller Brust. Kreuzigt sie! An die Wand mit ihnen. Ohne Verfahren, ohne Debatte. Die Sache liegt auf der Hand. Meint man. Ich bin hingegen für jede Debatte, denn Korruption kann man auch anders lesen. Verträglicher für ein Leben unter Menschen. Weiterlesen
Gut ist, was Leben verbindet. Das ist eine politische wie moralische Frage. So gesehen eine nützliche Formel. Das Mittel, eine Verbindung herzustellen, lautet Verstehen durch Einsicht. Hier eine Fingerübung am Beispiel des Hausschweins.
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Einmal mehr ist von der Arroganz der Deutschen die Rede. Im Zusammenhang mit unterlassenen Hilfen für Italien. Keine Ahnung, wie ich das beurteilen soll. Mein Problem: Ich sehe diese Arroganz nicht. Dafür etwas Anderes: Wer das Kinn erhoben hält, dem steht vielleicht das Wasser bis zum Hals. Weiterlesen
Seit Corona fahre ich mit meinem Backfiez über Land. Das ist eine Art Kastenrad, das gerade in dieser Zeit den Leuten ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, wenn ich ihre Wege kreuze. Warum nur? Auch Autos brausen vorbei, unter anderem. Doch niemand freut sich daran.
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Friedhofstille beim Einkaufen. Es misslingt mir, lässig zu bleiben. Die Begegnungen verlaufen verkorkst. Eine sonderbare Art Ping-Pong spielt sich ab. Wichtiger als sonst ist der Blick.
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Ein Vater und sein Sohn joggen in Richtung Wald. Der Jugendliche wirkt unbeholfen, aber er gibt sich Mühe. Heute das gleiche Bild: Vater und Sohn, diesmal auf dem Rad. Reiss dich zusammen, höre ich die Erzieher mahnen. Recht so! In dieser Krise reissen alle sich zusammen. Also auch du! Allerdings gibt es Menschen, die ihr Bestes geben, seitdem sie denken können. Und zwar bei wechselndem Erfolg. Überlege dir, man verlangt von ihnen, sie sollten sich gefälligst zusammenreissen. Ein Friedensvertrag wäre notwendig, verordnet dank Notrecht wie alles Andere. Damit ein ganzes Volk nicht überkocht. Leider gibt es keine Exekutive dafür.
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Auf dem Planeten ist es still geworden. Warum auch nicht? Man liest, in Manhatten höre man die Vögel zwitschern. Auch die Sonderlinge unter uns jubilieren. Sie mischten sich schon immer ungern unter Leute. Weiterlesen
Mit Moongirls Kleinen zog ich durch die Gassen von Besançon, ein Geburtstagsgeschenk für die Mutter zu kaufen. Weiterlesen
Beten ist Privatsache. In der Öffentlichkeit sieht man Betende höchstens verkrümelt in der Ecke einer Kirche. Bei Anstieg der Fallzahlen in der Corona-Krise verbreitete sich hingegen in Kaufläden eine kirchliche Stimmung. Überhaupt bringt die Modernisierung Momente einer neuen Andacht, die sogar unfreiwillig auf sich genommen wird. Weiterlesen
Der erste Blick ist unschuldig. Daran halte ich fest. Und mir fallen noch weitere Köstlichkeiten dazu ein. Es heisst immer, Lehrkräfte seien besonders ausgestellt. Mag sein. Was wir hingegen mitbekommen, kann man die Intimität einer Schulklasse nennen. Das gibt es tatsächlich. Gerade, wenn es um Blicke geht. Weiterlesen
Einsamkeit ist widernatürlich für Menschen. Es sei denn, man wählt sie nach Jahren voller Verstrickung mit anderen. Weiterlesen
Machnmal wünscht man sich Verhältnisse zurück, die für überholt gelten. In Ehe und Familie waren die Rollen festgelegt. Nun wird alles ausdebattiert. Bis die Köpfe rauchen. Bis die Herzen müde sind. Nostalgie hilft wenig. Man muss den Vorteil dieser Debattiererei in Betracht ziehen.
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Die Empörung darf sich legen: Homosexualität ist natürlich. Solche Fälle kommen überall vor in der Natur, aber das kann auf blossem Zufall beruhen. Wichtiger ist, dass schwuler Sex eine natürliche Aufgabe hat. Weiterlesen „Schwule Natur“
Ein Jammerbild: Berlin Mitte, im Regen und bei Nacht. Eine Gruppe Schüler quält sich vor mir her. Weiterlesen
E
goismus ist etwas Schlechtes. Darüber besteht Einigkeit. Dabei wäre zu bedenken, dass uns das Leben eine gewisse Selbstsorge auferlegt. Die erträgliche Leichtigkeit, mit der Egoismus im Rundumschlag gebrandmarkt wird, ist daher ihrerseits zu verurteilen, finde ich.
In Konstanz gab es über Jahre zur Schweizer Grenze hin eine Brache mit Schilf und Teichen und einer verruchten Gaststätte namens Seehas. Weiterlesen
T
odesvertrauen. Wie soll das gehen, Vertrauen in den Tod? Das klingt übermenschlich. Gäbe es einen Weg dahin, hätte ihn die Menschheit längst gefunden. Nun gibt es aber Neues zum Tod, ermittelt durch Wissenschaft. Wenn man es zur Kenntnis nimmt, könnte sich so etwas wie ein Todesvertrauen zumindest abzeichnen.
Der Judaskuss sollte erneuert werden. Allerdings in abgewandelter Form: Nämlich indem wir Judas küssen. Weiterlesen
Im Alter kommt es öfter vor, dass man Dinge von früher bereut und Reue um Reue dauerhaft wiederkäut. Für sie gibt es nur ein Mittel: Sie sollten sich, sofern sie Fehlentscheide bereuen, eine negative Illusion zurechtlegen und daran festhalten. Weiterlesen
F
lau war es mir im Magen, als ich den Sterbenden besuchte. Ich sah Verfall und Licht. Weiterlesen
Das Einfamilienhaus, in dem wir leben, bietet bestmögliche Sicherheit. Aber die Kinder ängstigen sich darin, wenn sie alleine sind. Weiterlesen
E
ine Handvoll Stare rauscht über ein gerodetes Feld. Schwalben bevölkern eine Linde, bevor sie nach Süden aufbrechen. Vielleicht spielt das Schwarmverhalten auch unter uns Menschen eine Rolle. Mag sein, dass wir das beleidigend fänden, aber es würde Einiges erhellen. Weiterlesen
Wir hungern nach Echtheit. Doch haben wir wirklich den Sinn dafür? Und verkraften wir sie auch? Weiterlesen
Eine junge Frau erzählt bei einer Party, sie wolle ins Militär. Das zieht lebhafte Gespräche nach sich. Während einige den Kopf schütteln, wird sie alsbald von zwei Typen flankiert, die ihr reizvolle Seiten des Militärs darlegen. Erfahrungen, Überlegungen, die wenig geläufig sind. Weiterlesen
Vor Jahren geriet ich auf dem Heimweg in eine Schar Kinder. Weiterlesen
Nun fliegen sie wieder, die Glühwürmchen oder Leuchtkäfer. Besucher durchkämmen in Massen den Ort. Ihre Freude liegt auf der Hand, aber wie immer beruht sie auf einem beschränkten Verständnis von Natur. Weiterlesen
Es gibt Momente, da würde ich gerne in die Sonne schauen können. Mit dem Auge des Ikarus. Aber dieser Blick ist uns verwehrt. Eine natürliche Empfindlichkeit hält uns davon ab. Sie könnte helfen, überhaupt Feinsinnige zu verstehen, für die auch Reize wie Strassenlärm unerträglich sind. Weiterlesen
Die Jacke ist neu, aber der Reissverschluss ist verkehrt eingenäht. Der Bügel ist rechts zu bedienen statt links wie seit Kindheit gewohnt. Das Ärgernis könnte sich als Glücksfall erweisen. Weiterlesen
Freitag vor Pfingsten. Berlin kocht über: Feiertagsgäste in Massen, gestiegene Mieten, dazu Sonne. Weiterlesen
Bei Lügen gilt auch heute kein Pardon. Dabei wären Lügner eigentlich zu bemitleiden, aber nicht der Strafe wegen, die sie erleiden, wie etwa Ächtung im Alltag. Weiterlesen
Berner Oberland. Im Zug sind nur wenige Plätze frei. Weiterlesen
Wenn man Geburtstag hat, erhält man Grüsse von Versicherungen, Hotels, Grossverteilern und der Bank deines Misstrauens. In der Regel pfeifen wir auf solche Glückwünsche. Das gilt aber nicht für alle.
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Wöchentliche Rasenpflege ist in Wohnsiedlungen Pflicht. Die Rasen mögen dann an flauschige Spannteppiche erinnern, in der Dürre vergangenen Sommers gingen sie jämmerlich ein. Weiterlesen
Es war eine Nachtfahrt ins Zürcher Riff-Raff zum neusten Streifen von Lars von Trier. Weiterlesen
Neulich las ich von «unserem Minarettverbot». Das klingt wie «unser Matterhorn». Wie kann man auf ein Verbot stolz sein? Ein Verbot ist roh und banal. Es hat wenig Kultur. Eine hirnlose Automatik. Wer Verbote dieser Art befürwortet, dem fehlt es an Selbstgewissheit. Weiterlesen
Was den Rechtspopulismus angeht, hege ich einen Verdacht. Weiterlesen
Statuenpark in Sanssou
ci: In der Mitte der Anlage prangen antike Heroen. Abseits davon, im Bereich der Frauen finden sich Statuen, die Farbige darstellen. Sie sind schwarz bemalt, haben jedoch weisse Augen. Weiterlesen
Der besondere Reiz, über die Dinge nachzudenken, besteht für mich darin, dass sie sich umdeuten und umwerten lassen. Das entzückt mich immer wieder. So eröffnen sich Horizonte aus dem Lehnstuhl heraus. Zum Beispiel Umdeutung und Umwertung von Tratsch und Klatsch. Weiterlesen
Metaphysik fragt nach dem Sinn von allem, was ist. Das All jedoch zeigt genauso viel Sinn wie aufgewirbelter Staub. Weiterlesen
Die Stationen der Warschauer Strasse bedienen die Berliner Stadtteile Nordkreuzberg und Friedrichshain. Bis vor Kurzem prägte eine wunderbare Weltstimmung diesen Ort. Nun wird auch dort gentrifiziert. Weiterlesen
In einer Jahreszeitung von Absolventen der Berufsmatura wird mein Fachgebiet nicht etwa mit Geschichte oder Deutsch, sondern mit «Deep Shit» angegeben. Das habe ich sofort und richtigerweise als Auszeichnung begriffen. Mit «Deep Shit“ wird gemeint, dass es in Sachen Lebensfragen ans Eingemachte geht. Anlass genug, diesen Ausdruck einmal wörtlich zu nehmen. Deep Shit: Tiefe Scheisse also.
Wenn ich in Städten ausgetrampelte Abkürzungen antreffe, fotografiere ich sie sofort. Auf Parkplätzen, im Aufmarschgebiet rund um Brücken oder Warenhäusern, überall, wo man Passanten zu Fuss mit Schildern und Schranken so leitet, dass Ordnung und Sicherheit gewährleistet sind. Nun habe ich schon eine kleine Sammlung beisammen. Weiterlesen
Wie wird die Altersvorsorge garantiert? Umverteilung? Auf dem Markt trickreich platzierte Wertschriften? Beides ist umstritten. Versicherer werben für Letzteres, der hohen Gewinnbeteiligung wegen. Sie runzeln die Stirn, wenn sie meine Meinung hören. Doch ich bestehe darauf: Die beste Altersvorsorge sind Freundschaften. Aber sie benötigen einen pfleglichen Umgang. Über Jahre.
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Es gibt Fernsehkanäle, die von einer Handvoll Sendungen leben. Allesamt Realityshows. Wir hungern nach dem echten Leben. Bekommen wir es tatsächlich zu sehen? Weiterlesen
Wie will man einem Heranwachsenden die Nutzung des Smartfons beschränken, wenn er täglich Passanten zuhauf damit beschäftigt sieht? Zürich, Seoul, New York: Überall das gleiche Bild. Die Sorge, unter uns grassiere Willensschwäche, greift zu kurz. Für unsere Faszination am Bildschirm kennt die Wissenschaft ungeahnte Gründe. Weiterlesen
Moralische Skrupel sind keineswegs überwunden. Vielleicht sind sie weniger grundsätzlich geworden. Der Bereich ihrer Anwendung jedenfalls hat sich verlagert. So kommt neuerdings die Frage auf, ob es verwerflicher sei, wenn man Pornografie geniesst oder zu Prostituierten geht. Wie wäre das zu klären?
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Süchtige lassen sich leicht aburteilen. Allzuleicht, meine ich. Weiterlesen
Man sollte nicht an jeder Friedenspfeife nuckeln, die einem so geboten wird. Weiterlesen
Moongirls Kleine klingelt an der Nachbarstür, wo zwei ihrer Kameradinnen den freien Nachmittag verbringen. Sie bittet mitspielen zu dürfen. Weiterlesen
Seit einiger Zeit lese ich in Hitlers «Mein Kampf». Der Inhalt ist bekannt. Nebenbei erhält man Einblick in das Innerste dieses Menschen. In sein Herz. Weiterlesen
Die Weiden leuchten. Ihre Ränder sind geschoren, als wären Friseure am Werk gewesen. Kühe ruhen wie Schiffe in einem Meer von Licht. Sie malmen vor sich hin. Selbst die Zäune wirken frisch. Die zahllosen Durchgänge sind für uns Wanderer artig instandgehalten. Ein ausgereiftes Landleben, das Touristen aus aller Welt in Erstaunen versetzt. Genauso gut kann es einen das Fürchten lehren, wenn ein ganzes Volk eine derartige Perfektion ableistet. Das geht nicht ohne sozialen Druck, nicht ohne Selbstkontrolle, die ängstlich vorsorgt. Weiterlesen
Hochsommer am See. Weiterlesen
Hochsommer in einer Stadt am See. Die Gestade sind dicht bevölkert von Passanten. Ganze Verwandtschaften flanieren die Ufer ab. Und alle werfen sie gepufftes Korn den Schwänen zu, die in Massen herangleiten. Weiterlesen
Im Rahmen ihres Workshops erklärte eine medial begabte Person, dass Menschen, die sich selbst das Leben nehmen, in einem trüben Zwischenreich hängen blieben. Diese Aussage fand ich völlig unpassend im Vergleich zu dem, was das Medium sonst zu Leben und Tod preisgab. Hört denn diese Angstmacherei nie auf, dachte ich bei mir. Weiterlesen
Darf ich vorstellen? Rolf B, Gewerbler, Arbeitgeber, Freisinniger, Mitglied im Serviceclub, Gemeinderat in der dritten Legislatur, neuerdings mit Parlamentsvorsitz. Weiterlesen
Wenn gelogen wird, muss man sich einmischen, so Max Frisch in den kürzlich erschienenen Interviews. Interessant von ihm zu hören, der doch eine der bekanntesten Lügen in der Literatur geliefert hat: Nämlich die: „Ich bin nicht Stiller.“ Aber seine Haltung versteht sich doch von selbst. Für mich haftet ihr eine Biederkeit an, die eigentlich überholt wäre. Weiterlesen
Die Künstlerin Niki de Saint Phalle hat ihre bunten und ausladenden Frauenfiguren mit Brüsten versehen, die deshalb auffallen, weil die linke Brust sich jeweils von der rechten in Farbe und Muster unterscheidet. Weiterlesen
Das Volk kifft. Früher offen, heute versteckt. Weiterlesen
Immer wieder zeigt man sich darüber bestürzt, dass verständige Menschen dauerhaft Mitglied einer Sekte werden. Weiterlesen
Sind die denn krank im Kopf, die Gewalt in Filmen geniessen oder echte Brutalität, wie sie im Netz kursiert, seitdem überall Kameras rasch gezückt oder zur Sicherheit angebracht sind? Wie üblich schön nach Rubriken geordnet gibt es da Erstochene zu sehen, Erhängte, Verbrannte, Vergewaltigte, Gelynchte, vom Strassenverkehr Zermanschte. Oder findet sich vielleicht ein sinnvolles Verständnis für den Konsum dieser abscheulichen Art? Weiterlesen
Zu Mittag wasche ich Salat, als ich in einer Kurznachricht von meiner Mutter erfahre, sie lasse sich die Eierstöcke herausnehmen. Weiterlesen
Wir lagen im Garten Bardini und lachten. Vielleicht zu einem Picknick auf karierter Decke, mit einem Chianti aus der Korbflasche. Weiterlesen
Touristen sind nicht zu unterschätzen. Weiterlesen
In meinem Bücherregal sind kaum Autorinnen zu finden. Das muss ich zu meiner Scham bekennen. Weiterlesen
Verstehe den Populismus! Das wäre die Herausforderung. Ihn anprangern ist leicht. Weiterlesen
Im Netz wird auf einschlägigen Seiten das Gutmenschentum verspottet. Unter anderem gibt der Feminismus eine beliebte Zielscheibe ab. Was immer die Gründe dafür sind, die Zeit verstellt den Blick darauf, wie es gekommen ist, dass sich Frauen gewisse Dinge nicht mehr bieten lassen. Weiterlesen
Gewohnheiten bieten Sicherheit. Und sie behindern zugleich: Das neue Office kann Immigrants zur Verzweiflung bringen. Wir sind gezwungen, eine Metagewohnheit auszubilden. Auf das Leben angewendet könnte sie sogar Frieden stiften. Weiterlesen
Wir halten uns für aufgeklärt. Manchen Tabus sind wir zu Leibe gerückt. Aber es gibt welche, die unerkannt fortwirken. Sie werden nur dann sichtbar, wenn man sich in die Tiefenschichten des Lebens einlässt. Man könnte sie Tabus zweiter Tiefenordnung nennen.
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Ein Frontsoldat im Ersten Weltkrieg berichtet vom Sterben seines Freundes Bob. Von dieser Zeugenschaft bin ich auf eigenartige Weise ergriffen. Zwar zwingt sie uns in Tiefenschichten des Lebens, die wir sonst meiden. Aber sie bestätigt die Ahnung, dass wir, wenn wir es tun, Versöhnung finden mit dem Leben und mit uns selbst: Weiterlesen
Zu meiner Zeit waren Selbstgespräche verpönt. Das sind sie wohl heute noch. Aber sie fallen nicht mehr auf. Weiterlesen
Männer gehen zur Sache. Bei aller Rohheit könnte das sehr wohl seine natürliche Richtigkeit haben. Weiterlesen
Trotz ihres hohen Alters war sie per Anhalter unterwegs. Mit wilden weissen Haaren und voller Einkaufstasche. Wir nahmen sie mit. Es brauchte einige Zeit, bis die Gurte festsass. Zu Hause zeigte sie uns ihr Anwesen am See. Weiterlesen
Selten gönne ich mir ein Vollbad. Ich mag es nicht, wenn die Knie aus dem Wasser ragen und, äh, der Bauch. Aber immer lasse ich mich für eine gewisse Zeit ganz unter Wasser gleiten. Dann lausche ich meinem Herzschlag. Weiterlesen
Eine Handauflegerin führt ‘radikale Vergebung’ im Angebot. Dieser Ausdruck klingt bei mir nach. Diese Praktik dürfte zwischen uns ganze Kerker öffnen, sollte sie sich durchsetzen. Aber wie vergibt man radikal? Weiterlesen
‘Wir armen Reichen! Weiterlesen
Gerade stand ich im Begriff, sie zu befruchten, als sie mir lächelnd ins Ohr flüsterte: «Erzähle mir einen Witz.» Weiterlesen












