Im Netz wird auf einschlägigen Seiten das Gutmenschentum verspottet. Unter anderem gibt der Feminismus eine beliebte Zielscheibe ab. Was immer die Gründe dafür sind, die Zeit verstellt den Blick darauf, wie es gekommen ist, dass sich Frauen gewisse Dinge nicht mehr bieten lassen.

In meiner Jugend gehörte es unter den Mädchen zum guten Ton, emanzipiert zu sein. Wehe, man hielt ihnen die Türe auf. Sie liessen die Achseln unrasiert. Die eine oder andere tat vorsätzlich den ersten Schritt, um anzubändeln. Ich fand das sehr praktisch. Erst die Töchter emanzipierter Mütter legten mir dieses altmodische Verhalten nahe. Sie trugen keine schwarzen Lederhosen wie die Mutter, auf denen sie Zigaretten rollte, und keinen Balken von Brille im Gesicht. Ich musste lernen, dass sie beides waren:

Emanze und gepflegte Tusse zugleich. Mit rasierten, wohlriechenden Achseln, versteht sich. Und kein Stück unparfümierten Tabaks bleibt an ihren Lippen hängen.

Nun zum ernsten Teil, was die Gründe angeht, die zum Feminismus führten: Eine Bekannte von mir suchte 1977 Hilfe beim Pfarrer ihrer Gemeinde, weil ihr Mann, ein Platzhirsch, der mit dem Saft einer örtlichen Dynastie aufpumpt war, seine traditionellen Rechte auf Schnaps und Sex tatkräftig einforderte. Gerichtlich wäre er damals in Sachen eines Kavaliersdelikts zur Besonnenheit gerufen worden.

Heute lautet der Tatbestand schlicht Vergewaltigung in der Ehe.

Auch der Pfarrer rief die Tochter seiner Gemeinde zur Besinnung. Es sei ihre Pflicht, so meinte er wohlwollend, dass sie bereit zu sein habe, wenn der Gatte sie begehrt. Sie möge die Gegenleistung bedenken, die er erbringt, nämlich Ernährung und Schutz der Familie.

Meine Bekannte nahm die Kinder und floh. Sie wurde schuldig geschieden. Später engagierte sie sich für Frauenrechte. Es versteht sich von selbst, dass ihr das bissige Vergnügen zuwider wäre, das sich nun gegen den Feminismus richtet.

Ich glaube, nein ich hoffe, sie weiss nichts davon.