Wöchentliche Rasenpflege ist in Wohnsiedlungen Pflicht. Die Rasen mögen dann an flauschige Spannteppiche erinnern, in der Dürre vergangenen Sommers gingen sie jämmerlich ein.

Unser Rasen hingegen ist keineswegs gleichförmig dunkelgrün und wohlgesättigt mit Dünger, sondern durchwachsen und moosig infolge seltenen Schneidens. Wahrlich kein Aushängeschild im Quartier. Kinder rennen ungern barfuss durch unseren Garten. Es steche dann etwas. Sonst an das Gras üppiger Rasen gewöhnt, spüren sie bei uns an ihren Füssen allererste Waldbildung.

Noch ist kein Vorwurf aus der Nachbarschaft an uns adressiert worden, wegen irgendwelcher Unkräuter, die sich dank unserer Nachlässigkeit punkto Rasenpflege im Quartier verbreiten. Und immer, wenn man sich Gedanken macht, was die Leute über einen denken, stellt sich uns die Frage, wie unser Rasen ankommt. Eine ehrliche Antwort wird man da nie zu hören bekommen.

Jedenfalls empfanden wir Bestätigung, richtig zu liegen, als er die Dürre ohne Tränke heil überstand. Die noblen Rasen erbleichten und starben ab, sodass die Nachbarn die toten weissen Gräser zusammenrechten und einen Zaun zur neuen Aussaat um ihr Grundstück zogen.