Neulich las ich von «unserem Minarettverbot». Das klingt wie «unser Matterhorn». Wie kann man auf ein Verbot stolz sein? Ein Verbot ist roh und banal. Es hat wenig Kultur. Eine hirnlose Automatik. Wer Verbote dieser Art befürwortet, dem fehlt es an Selbstgewissheit. Ein Verbot unterbindet das Nachdenken, sowie es den Sinn für Nuancen und lebendige Ausnahmen abstumpfen lässt.

Mit einem Verbot schafft man künstliche Welten. Ein anderes Beispiel sind Jugendliche, die in Pausen ohne Handy herumstehen. Heute mag dieser Anblick einige beruhigen. Da werden noch Grundsätze bewahrt, denken sie zufrieden. Was könnte daran künstlich sein? Die erzieherischen Grundsätze, die dabei zur Geltung kommen, sind wertvoll für uns alle. Zum Beispiel dass Heranwachsende lernen, Triebaufschub zu üben. Vielleicht verfällt man dem pädagogischen Wunschbild, ohne Handy werde mehr Gemeinschaft gelebt. Unter Anwesenden. Als gäbe es auf einmal keine Heuchelei mehr. Jugendliche, die sich nicht riechen mögen, gehen sich aus dem Weg. Genauso wie Erwachsene. Bei denen fällt es bloss nicht auf, da sie in der Lage sind, beinah überall auszuweichen. Dafür sind auch immer sachliche Gründe zur Hand. Erwachsene werden auch nie für bestimmte Zeit auf einen Hof gezwungen, wo die persönliche Abneigung untereinander lesbar würde.

Künstlich an Jugendlichen in Pausen ohne Handy ist die schlichte Tatsache, dass sie sozusagen alle, wenn sie dürften, an ihrem Gerät zugange wären. Da wird uns eine falsche Welt vorgeführt. Dank eines schlichten Verbotes.

Hohe Dringlichkeit rechtfertigt Verbote, meint man. Aber wer befindet darüber, dass die Dringlichkeit nun gegeben ist? Irgendwelche Nervöslinge? Sie entscheiden pflichtbewusst, aber sie entscheiden für andere, die wenn möglich von der Entscheidungsfindung ausgeschlossen bleiben, obwohl die Sache sie betreffen wird. Ein Durcheinander von Meinungen wird vorweg bereinigt.

Auch das ist eine künstliche Welt.

Eine schöne, künstliche Welt.