Was den Rechtspopulismus angeht, hege ich einen Verdacht.

Es fällt ins Auge, wie hartnäckig die Argumente des jeweils anderen missachtet bleiben. Das liegt auch daran, dass die Argumente sachlich aneinander vorbeilaufen.

Die so genannte Linke strebt Veränderungen an. Sie hält sie für derart wichtig, dass sie Regelwerke dafür ausarbeitet, die möglichst global gelten. Daher nimmt sie auch jene Menschengruppen in die Pflicht, die diese Veränderungen ablehnen. Jene, die für Populismus anfällig sind.

Veränderungen in der Gesellschaft werden unterschiedlich gewertet. Die einen fühlen sich befreit, die anderen betrauern eine Vorwelt, die ihnen Sicherheit bot. Oder sie kämpfen um ihren Erhalt.

Mein Verdacht geht von der Tatsache aus, die heute wissenschaftlich anerkannt ist, nämlich dass Menschen unterschiedlich fühlig sind. Und zwar von Geburt. Oder sie erlitten Traumen, die kaum jemand ohne Weiteres einfach wegsteckt.

Demnach unterbreite ich die These, wonach Feinfühlige eher rechts konservativ politisieren. Bürgerlichkeit und Tradition sollen erhalten bleiben. Aber nicht deshalb, weil die Sache es verlangt, sondern weil Feinfühlige Veränderungen schlecht verkraften.

Aus alltagsökonomischen Gründen halten sie an Regeln fest, die ihnen seit je geläufig sind. Das sonstige Leben bereitet ihnen schon Stress genug. Wer diese Regeln angreift, macht sie bissig. Sie gehen in Verteidigung, sammeln sich mit Gefährten, die gleich empfinden. So sehen sich in einer Normalität bestätigt, die genauso zufällig sein kann.

Meist benötigen wir nur zwei, drei Gefährten, die gleich gelagert sind, und schon halten wir an einer Normalität fest, von der andere abweichen. Dieser statistische Nonsens verdeckt das immense Bedürfnis nach Sicherheit. Eine weitere Blösse des Lebens.

Die These mag letztlich nicht aufgehen, aber sie verhilft zu einem anderen Blick auf die Links-Rechts-Politik.

Mein ich zumindest.