Der Liberalismus kennt keine Demut.
Es gilt, was möglich ist. Unbeschränkt. Sofern es auf Eigenleistung beruht und auf dem freien Markt besteht. Keine Regulierung darf zurechtstutzen, was jemandem aus eigener Kraft gelingt. Darauf beruht die Überheblichkeit Trumps. Demut ist anderen auferlegt, die sich anheischig machen, seine Leistungen zu schmälern.

Wenn sich alles um Eigenleistung dreht, dürfte man es für unabdingbar halten, dass man seine Eigenleistung richtig einschätzt. Dass Liberalisten genau wissen, was sie anderen verdanken. Wie erwähnt liefert Netlix erstklassige Dokumentationen im Serienformat. Unter anderem über Trump. Dabei zeigt sich, dass Trump, so sehr er sich bis zur Verblendeung souverän gibt, letztlich auch nur ein Geschobener ist wie manche Grösse oder Ungrösse der Geschichte.

Da ist zuerst der Herr Vater. Ein typischer Nachkriegsamerikaner, der sozialwirtschaftlich orientiert ist. Wer den Krieg in den Knochen hat, geht keine Risiken ein, die andere gefährden. So sorgt er massenhaft für günstigen Wohnraum. Der Vater bedient die Angestellten, der Sohn die Reichen. Jedenfalls hat er seinem Jungen bei den ersten Grossbauprojekten geholfen. Soviel zur Eigenleistung. Dazu kommt, dass diese Grossbauprojekte nur dank städtischer Steuererleichterungen zustande kamen. Diese Erleichterungen beruhten auf politischen Sonderbeschlüssen, um die Donald Trump bangen musste. Ohne sie wäre der Gigantismus der Marke Trump bescheiden geblieben.

Und der Grund für dieses Entgegenkommen? Die Stadt New York lag am Boden. Höchste Kriminalitätsraten, wackelige Kreditwürdigkeit, dazu bockige Gewerkschaften, die nur mit miesen Tricks davon abgehalten wurden, dass sie die Öffentlichkeit andauernd mit Streiks lahmlegten. Ein solcher Trick stammte aus der Zauberkiste des Liberalismus: Man lege die Pensionsgelder der Angestellten in städtische Schuldscheine an und drohe, sie beim nächsten Streik an die Gläubiger zu veräussern.

Jedenfalls sah die Stadt New York in Don Trumps Projekten eine Gelegenheit zu wirtschaftlichem Aufschwung. Punkto Eigenleistung ist zu sagen: Die Misere New Yorks kam Trump entgegen. Auf die politischen Entscheide, die seine Weichen stellten, hatte er ebenso wenig Einfluss. In Krisenzeiten, heisst es in besagter Doku zu Trump, böten sich einträgliche Gelegenheiten für schlechte Charaktere.

Fazit: Trump schätzt seine Eigenleistung falsch ein. Das Genie, das er sich zuspricht, verdankt sich geschichtlicher Zufälle.

Demut ist eine fromme Haltung. Vielleicht lässt sie sich in das weltliche Konzept der Selbstbestimmung übersetzen. Wer sich selbst bestimmt, sollte seine Abhängigkeiten verdanken. Und die Dinge richtig einzuschätzen, zählt ohnehin zu den Grundanforderungen modernen Lebens.

Diese Forderungen sind in gewissem Sinne moralisch. Doch selbst Moral bedeutet für Liberalisten reine Geschmackssache. Nicht zuletzt die Forderung, Bedürftigen unter die Arme zu greifen.

Die Eigenleistung zu missdeuten, dürfte Trump egal sein.

Was auf seiner blossen Gedankenlosigkeit beruht. Ein sympathischer Zug, wenn man bedenkt, dass er offen tut, was sich seine Gegner nur heimlich leisten und mit viel Politschminke übertünchen. In der Doku erleben wir Barack Obama zudem als bösen Schwätzer. In Anwesenheit massgeblicher Kräfte der amerikanischen Öffentlichkeit überzieht er den Tolpatsch Trump mit Hohn, plump und ohne Mass.

Was genausowenig von Grösse zeugt. Demut unter Demokraten bleibt ebenso fraglich.