Ein Autofriedhof. Personenwagen, darunter eine Ambulanz. Alles vom 7. Oktober, alles ausgebrannt.

Das Mädchen Salam verkauft selbstgemachte Schokobällchen. Davon will sie für seine Familie Essen kaufen.

Ein Pfleger mit einem mehrmonatigen Kind auf den Knien verzieht das Gesicht zu lustigen Grimassen, um es zu unterhalten. Das Kleinkind fixiert ihn interessiert, es lächelt unter verkrustetem Blut hervor. Der Mann bricht in Tränen aus.

Die Geschwister sitzen bei der Leiche ihrer Mutter. Sie schauen zu, wie ein Pfleger eine Etikette an der Hand der Toten anbringt, die unter einem Tuch liegt. Jemand spricht die Kinder an. Der Bub beugt sich vor, breitet die Arme aus und legt seine Hände schützend auf Mutter und Schwester. Dieser winzige Ernst, der nichts vermag inmitten von Kräften, die alles pflichtschuldig zermalmen.

Zwei Schafe irren durch die Strassen. Es fallen Schüsse. Die Tiere brechen ein, bleiben liegen. Sie sollen nicht als Nahrung dienen.

Ein israelischer Soldat kümmert sich um einen halbverhungerten Hund. Der Mann hat mittlerweile Hunderte wenn nicht Tausende seiner Kameraden verloren. Zahlen, die man nur auf Privatkanälen vernimmt. Hochgerüstete Soldaten, getötet von Kämpfern in Flip-Flops und Turnhosen, die Bulldozer ausräuchern und mit ihren sowjetischen Gewehraufsätzen Panzer treffen, bevor sie selbst der Reihe nach fallen.

Ein Toter mit verarzteten Händen und Beinen, sein Kopf unter blutigem Tuch geborgen. Er erholte sich von seinen Wunden, als er gewaltsam zu Tode kam.

Kinder weinen, ohne dass ihre Tränen fliessen. Ein Zeichen fortgeschrittenen Hungers.

Kinderleichen, mit Schriftzügen auf der Brust, zu ihrer Identifizierung, falls sie zerfetzt würden, sie liegen aufgereiht nebeneinander. Eine Frau hüllt sie in weisse Tücher und schnürt die Enden zu, als würde sie sie verpacken.

Zwei Knaben zeigen auf eine gefüllte Plastiktüte, die auf einer Motorhaube liegt. Sie hätten Finger und Ohren gesammelt.

Erwachsene wiegen ihr Gewicht. Der eine gibt an, er habe acht Kilo verloren, der andere zehn.

Kleinkinder, die verhungern, haben greise Gesichter. Sie öffnen den Mund für nichts. Eines wird mit Hundefutter ernährt, es erbricht und stirbt.

Der kleine Araber zittert am ganzen Leib. Sein Freund, sein Bruder kauert mit verbundenem Kopf an seiner Seite. Er macht den Kleinen auf sein Zittern aufmerksam, der verwundert auf seine Beine schaut, dann auf seine Hände, auf seine Handinnenflächen, wo er eine Wunde entdeckt oder den Abdruck eines Stempels, der vielleicht wie bei einer Triage die Dringlichkeit seiner Behandlung einstuft. Das Mal könnte auch von einer Verbrennung herrühren. Ein erhitzter Splitter, der sich in die Haut eingebrannt hat. Der Kleine zeigt es seinem Bruder, er zeigt es ihm zweimal. Damit der es sieht. Damit gesehen wird, was ihm widerfahren ist. Wie er seine Handfläche zeigt, denke ich, ich sehe ein menschliches Bewusstsein im Vollzug. Erkennen, staunen, sich mitteilen.

Katzen hocken um ein Bündel mit verrenktem Bein, was den toten Menschen verrät, der da liegt. Die Tiere fressen davon.

Von Kindern ist die Rede, die nach Wochen Bombardements Herzinfarkte erleiden. Eines bebt am ganzen Leib, das Adrenalin seiner Panik schwemmt in Stössen den kleinen Körper. Die Zuwendung der Mutter hilft nicht. Das Kind verdreht die Augen, es haucht sich aus.

Ein Mann wurde von einem Panzer platt gewalzt. Angeblich Stück für Stück. Das Bild ist verpixelt, es zeigt den Körper als eine Art ausgerollten, schmutzig roten Schlafsack. Nur die eine Hand ist erhalten geblieben, sie ist unverpixelt sichtbar. Am Handgelenk ein festgezurrter schwarzer Kabelbinder.

In einem Spital zieht sich eine breite Blutspur bis zu einem geschlossenen Aufzug. Daneben verlaufen Blutstropfen. Der Schluss drängt sich auf, dass die Person, die den Verletzten schleifte, selbst verwundet war.

Eine jüdische Siedlerin schlägt schreiend auf einen Bus ein, der Waisenkinder aus Gaza fortbringt. Der Bus fährt an ihr vorbei, er verschwindet. Sie wird still, sie weint.

Ein Junge verlässt die Ambulanz mit einem blauen Rucksack, den er vor der Brust trägt. Darin, so erklärt er, seien die Überreste seines kleinen Bruders.

Schwer verletzte Kinder wälzen sich auf gekacheltem Boden. Dem einen ragt ein Oberschenkelknochen aus dem Knie. Ein Kleinkind mit geschwärztem Kopf und abgewinkeltem Fuss bewegt sich nicht mehr.

Ein Kleinkind schläft, ein Geschoss schlägt in der Nähe ein, das Kind hält im Schlaf sofort beide Hände auf seinen Bauch.

Ich sehe ein völlig durchlöchertes Handgelenk.

Erwachsene tanzen entzückt mit mehlbestäubten Köpfen.

Eine angeschossene Frau wird an einem rostigen Metallband, das sonst schwere Gegenstände fixiert, bäuchlings aus der Schusslinie gezogen.

Ein Mädchen ohne linke Hand lädt freundlich in den Plastikverhau ein, den sie mit ihrer Familie bewohnt. Es ist anzunehmen, dass man ihr die Hand ohne Schmerzmittel amputiert hat.

Neben Schachteln mit der Aufschrift «Babylife» sind Blutlachen zu sehen.

Ein kleines Kind winkt in die Kamera mit seinem Armstumpf. Ihm fehlen Hände und Füsse. Auch hier ist der Mangel an Schmerzmittel in Rechnung zu stellen.

Ein Handyreporter filmt verwüstete Innenräume des Nasser-Spitals, er erbricht sich schier wegen des Gestanks, flüchtet ins Freie.

Esel ziehen Karren mit Verwundeten, die buchstäblich darauf gestapelt liegen. Das Tier wird mit einem Stock angetrieben.

Ein Bub berichtet, so als erzählte er vom Spielen im Garten, man habe ihm in den Bauch geschossen.

Ein amerikanischer Kampfpilot verweigert seinen Einsatz in Gaza. Vor der israelischen Botschaft in Washington begeht er ein Autodafé. Wie einst buddhistische Mönche in Saigon. Er steht noch, während seine Uniform in brennenden Fetzen abfällt.

Der Bub soll vor Freude getanzt haben, als er die verfrühte Meldung vernahm, es sei ein Waffenstillstand beschlossen worden. Einen Tag später nahmen sie von ihm Abschied.

Ein Kleinkind wird nach Monaten tot aus den Trümmern seines Zuhauses geborgen. Die Kleidung ist gut erhalten geblieben, die aufgenähten Bärchen und Herzen gut erkennbar,  ebenso die Kapuze, darunter der  Kopf wie ein Laib Brot, ohne jegliche Gesichtszüge.

Ein Mädchen hält eine Atemmaske auf das Gesicht seines kleinen Bruders und stirbt dabei.

Ein Palästinenser mit Down-Syndrom wird in seinem Sessel von einem israelischen Kampfhund tödlich attackiert. Währenddem spricht der Junge zum ersten Mal, indem er sagt, was er von seiner Familie immer gehört hat, nämlich: „Es ist genug, Liebling“.

Ein Kind trägt ein Kind.

Ein verletzter Hamas-Kämpfer verabschiedet sich via Handy von seiner Mutter. Sein Bruder ist schon gefallen. Man hört die Drohne, die ihn sucht, um ihn ganz zu erledigen.

Eine Mutter sortiert Eingeweide in die Bauchhöhle ihres Kindes zurück.