Die Tech-Riesen des Silicon Valley stehen für die beispiellose Gewissheit, dass uns Computerisierung und digitale Vernetzung in der Evolution sprunghaft voranbringen. Sie machen uns weis, wir würden aus der sumpfigen Geschichte der Menschheit auf Metaebenen gelangen. Leider ist das nur Gewäsch, wie so oft. Oder zum Glück, je nach dem.
Seit einiger Zeit bleibt an mir der Eindruck haften, die Computerisierung unseres Lebens führe zu platter Mittelmässigkeit. Es ist zu umständlich, bis man an die Inhalte kommt. Man kann sagen, um die Inhalte seien Belange organisiert, die fortwährend Aufmerksamkeit binden. Dazu gehört die hochvernetzte Erreichbarkeit, die unverzichtbar geworden ist. Updates sind zu verwalten, ausgefeilte formale Ansprüche zu erfüllen. Das Passwort-Management stellt für Vereinzelte eine Herausforderung dar. Nicht nur Oldscools, wie ich weiss, hadern mit dieser Herum-Organisiererei, die täglich zu leisten ist und selber keine Ergebnisse hervorbringt. Die Sorge, man könne wichtige Quellen übersehen, kann fast zu Lähmung führen. Im Gegensatz zu früher. Da gab es Bleistift, Schreibblock und Bücher. Und natürlich einen Küchentisch.
Die Auseinandersetzung rund um Gaza hat auch punkto Digitalisierung ungeahnte Tatsachen an den Tag gekehrt. Es geht um die Algorithmen, die die grossen Fünf des Silicon Valley als besonders verheissungsvoll anpreisen, wenn es darum geht, sie für eine bessere Zukunft zu verselbständigen. Bekanntlich bleiben diese informatischen Formelketten streng unter Verschluss. Zur Sicherung der Marktführung besagter Firmen. Jemand befragte eine Künstliche Intelligenz anlässlich der Massaker in Gaza, die nach wie vor am Laufen sind, ob es sinnvoll sei, wenn Israeli frei und selbstbestimmt leben könnten. Die Antwort: Ein klares Ja. Das deckt sich mit meiner Auffassung. Die gleiche Frage jedoch auf Palästinenser bezogen, also ob es auch für sie sinnvoll wäre, frei und selbstbestimmt zu leben, ergab die Antwort, das sei ein Diskussionspunkt. Man könne diese Frage nicht ohne Weiteres beantworten. Ähnliches ergab der Auftrag an eine Künstliche Intelligenz, sie solle israelische Kinder bildhaft darstellen. Das Ergebnis ist klar und erfreulich: Gesunde Kinder, die im Sonnenschein spielen, adrett gekleidet in Weiss-Blau, freundliche Gesichter und so fort. Der gleiche Auftrag punkto Palästinenser ergab schmutzige Kinder inmitten einer Trümmerlandschaft, bewaffnet und mit Stirnband versehen, auch ihre Kleider in Flaggenfarben, allerdings ungewaschen und zerrissen.
Algorithmen also wühlen auch in eben diesen sumpfigen Vorurteilen, die tief in die Geschichte zurückreichen. Daraus schöpfen sie nichts Neues. Wie sollten sie auch? Als sublime Mechanik, was sie sind und mehr nicht, wäre alles Neue, was sie zutage förderten, bloss vom Zufall bestimmt.
Also von keiner Intelligenz.
Wer sich den humanitären Werten der Aufklärung verpflichtet fühlt, muss hier aufschreien. Die Aufklärung hat Menschen im Auge. Also darf es keine Rolle spielen, um welche Volksgruppe es sich handelt. Überdies muss man zur Kenntnis nehmen, dass die grossen Fünf des Silicon Valley kaum Farbige beschäftigen.
Die verheissungsvolle Computerisierung bleibt dem gleichen stupiden Rassismus verhaftet wie seit je.
In dieser Frage findet nach wie vor kein Fortschritt statt.


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