Computer sind uns an Präzision, Rechenleistung, Durchhaltevermögen und vor allem an Bedürfnislosigkeit weit überlegen. In der Kalifornischen Ideologie [Kp C], die bei berüchtigten Internet-Giganten den Tarif durchgibt, ist vorgesehen, dass Computer uns früher oder später ersetzen werden. Die Neurobiologie belegt den blanken Irrtum dieser Prognose.

Die Argumente sind in der Debatte zur Künstlichen Intelligenz schon zuhauf verhandelt worden: Computer sind Spezialisten, Menschen Generalisten. Ein Spezialist ersetzt sehr wohl den Generalisten, wenn es darum geht, eine ganz bestimmte Anforderung in einer Genauigkeit zu bewältigen, die dem Generalisten seiner Vielzahl an Fähigkeiten wegen versagt ist. Wie aber soll ein Spezialist einen Generalisten grundsätzlich ablösen, wie es die Kalifornische Ideologie als unumgänglich voraussagt?

Nicht umsonst sind auf höchster Führungsebene von Unternehmen Generalisten als Spitzenmanager gefragt. Da ist viel Diplomatie gefordert, viel Sinn für Unschärfen, für Andeutungen.

Die Antwort der Vertreter der Kalifornischen Ideologie folgt auf dem Fuss: Sind keine Menschen mehr im Spiel, braucht es auch keine Diplomatie mehr. Das heisst, keinen Spürsinn für Doppelbödigkeiten in Aussagen, womit auf ein delikates Problem angespielt wird, ohne dass sich Anwesende vor den Kopf gestossen fühlten. Auch die Fähigkeit wird hinfällig, dass man diesen Spürsinn beim Gegner vorweg in Rechnung stellt. Anwesende gibt es dann ohnehin keine mehr.

Ausserdem empfinden Computer keine Angst. Das klingt nach Vorteil. Angst und Sorge treiben Menschen um, auch wenn sie Millionen gescheffelt haben. Die Kalifornier erachten diese Hemmungen als Blockade im Fortschritt. Ängste aber sind natürlichen Ursprungs, die unter anderem den Fortschritt anfeuern. Vielleicht ist es der Fall, dass diese Gefühle wie Instinkte genau im richtigen Moment auftreten. Dass sie im genau richtigen Augenblick in Abstimmung mit anderen, die gleich empfinden, die richtige Handlung auslösen oder unterbinden.

Computern fehlen Instinkte. Vielleicht liegt genau darin ihr Nachteil schlechthin. Bei uns heisst es, die Instinkte seien abgestorben. Aber wissen wir das wirklich?

Mag sein, dass ich hier die Möglichkeiten von Rechnern unterschätze, gerade wenn sie global zu einem angeblichen Superhirn vernetzt sind. Das ändert nichts daran, dass die Losung, mehr Gehirn bedeute mehr Intelligenz, falsch ist. Mehr Gehirn führt dummerweise sogar zur Unfähigkeit, zielsicher zu handeln. Schimpansen verfügen  über ein Weniger an Gehirn im Vergleich zum Menschen, was seine Grösse und komplexe Beschaffenheit betrifft. Trotzdem oder gerade deshalb sind sie in der Lage, Zahlen auf einem Bildschirm in Sekundenschnelle und völlig beiläufig in die richtige Reihenfolge zu tippen, während Menschen dabei immer wieder ins Stocken geraten.

Schimpansen erinnern an Computer.

Diese Tiere verdanken jedoch ihre Virtuosität einem Weniger an Gehirn. Hemmung und Zögern, wie bei uns, verweisen unter Umständen auf ein Mehr davon. Wie die Neurobiologie zeigt, erbringen Savants wundersame gedankliche Leistungen aus einem Mangel an Gehirn.

Gewisse Zonen sind verstummt und schalten sich nicht verwirrend ein. Die spezialisierte Überlegenheit eines Computers betrifft lediglich den Faktor Zeit. Und es ist nicht zuletzt die Evolution als Leittheorie besonders auch für die Kalifornier im Silicon Valley, die klarmacht, dass Spezialisten von akuten Umweltveränderungen bedroht sind.

Nur Generalisten bestehen Umweltveränderungen. Spezialisten nur dann, wenn sie von der Norm abweichen.

Und für akute Umweltveränderungen gibt es keine Algorithmen, sie vorauszuberechnen. Algorithmen kalkulieren Bekanntes linear in die Zukunft voraus. Sie rechnen Vergangenes hoch,  mehr nicht.

Das ergibt dünne Linien an Daten, die der natürlichen, sprich schwer berechenbaren Elastizität des Lebens unmöglich gerecht werden.