Unter Schützen finden sich gewiss keine  Spiritualisten. Meint man. Beim sonntäglichen Feldschiessen im Schützenhaus, das hierzulande einmal im Jahr pflichtgemäss abzuleisten ist, wird man eines Besseren belehrt.

Zwar sind die Umgangsformen grob wie erwartet. Wer es etwa versäumt, seine Flinte auszustossen, also den Lauf zu entfetten, sodass beim ersten Schuss sich dichter Rauch bildet, erntet harsche Zurechtweisung, die quer durch den Schiessstand ertönt. Je nach Brauch wird er eine Runde Bier ausgeben müssen. Einige genehmigen sich so genanntes Zielwasser: Ein, zwei Schnäpse vor der Kür. Um die Ecke braten sie Würste auf dem Grill. Ganze Speckseiten tropfen zischend in die Glut ab.

Meine ersten Schüsse sitzen linkslastig auf der Tafel und deutlich zu tief. Ein Schütze beugt sich zu mir nieder und schraubt mit dem Sackmesser an meinem Visier herum. Weitere Probeschüsse sitzen schon besser, sie nähern sich der Mitte an. Der Betreuer erteilt mir Ratschläge, ebenfalls ungefragt, aber das stört mich wenig: «Blicke dem Schuss nach.» Das soll die Konzentration für den nächsten fördern, wie er auf Nachfrage erklärt. Noch sitzen meine Ergebnisse etwas zu tief. Da sagt er vor dem nächsten Schuss:

«Denke höher, aber tue nichts. Verhalte dich ganz still. Nur etwas höher denken.»

Das überrascht mich, aber ich befolge es gehorsam, obwohl ich gar kein Anfänger bin. Endlich reicht es für fünf Punkte, auch wenn die Mitte der Scheibe nur angeschnitten ist.

Nichts tun, stillhalten, bloss denken. Das kann nur Spiritualismus sein. Was sonst, wenn nicht diese Methode.

Ohne Klangschalen, ohne Räucherstäbchen.

Aber nicht ohne ein Bier danach.