Corona zeigt: Wir brauchen einen neuen Leviathan.

Der Schotte Hobbes gab die Begründung, warum ein moderner Staat nötig ist: Wir alle wünschen uns Frieden, dennoch führen wir Krieg gegeneinander. Daraus folgt zwingend die Einsicht, dass wir unsere Waffen zeitgleich einem König, später einer sonstigen Exekutive in die Hände legen, die dann Konflikte im Namen aller regelt. Das gilt gleichermassen für Schwierigkeiten überhaupt, die zu Zwist führen, wenn man mit ihnen nach Gutdünken verfährt.

Wir verzichten also alle auf einmal, dass wir unsere natürliche Gewalt frei ausüben. Dadurch entsteht der moderne Staat in einer plötzlichen Grösse, für die das Bild des biblischen Monsters Leviathan steht, der am Meeresboden gründelt und dann unverhofft auftaucht. Nach Jahren hat das Monster auch seine bissige Seite gezeigt, man hat es immer wieder entfesselt und gezähmt.

In Zeiten von Corona stellt sich die Dringlichkeit nach einem neuen Leviathan. Seine Grösse wird immens sein, da er sich weltweit rascher verbreiten würde als das Virus, aber er wäre harmlos im Vorgehen, hingegen nicht in seiner Wirkung.

Wir alle halten einen hohen Druck aus. Eine Gesellschaft, die auf Hochleistungsversorgung setzt, und das aus triftigen Gründen, nebenbei bemerkt, ist überall in ihrem Getriebe auf Druck angewiesen. Dieser Druck bestand schon vor Corona, nun in der Ausnahmesituation kommen häusliche Probleme dazu, ebenso Ängste. Für einen geringen Teil sind es Todesängste. Wenige Menschen jedoch bedeuten moralisch die Menschheit an sich.

Der neue Leviathan entsteht dadurch, dass wir Druck wegnehmen, wo immer wir tätig sind. Ganz besonders in Familien. Alle im gleichen Augenblick, wie es Hobbes vorsah.

Und ein Aufatmen verbreitete sich rasant.

Rasanter als das Virus.