Mehr Hirn? Ach wo!

Zum Glück müssen wir nicht alle Sprüche ernst nehmen, die eine ganze Öffentlichkeit umtreiben. Scientologen werben mit dem bekannten Diktum, wir nutzten nur einen Bruchteil an Gehirn. Diese Ansicht ist widerlegt. Die Vorstellung, mehr Hirn bedeute mehr Intelligenz, darf man sogar herzhaft naiv finden. Bekanntlich kommt es auch darauf an, wie fein die Gehirnmasse in sich gegliedert ist. Sofern mit Intelligenz die Gabe gemeint sein soll, die Anforderungen des Lebens so zu bewältigen, dass dabei Zeit und Aufwand bestmöglich eingespart und Mittel bestmöglich eingesetzt sind, dann bedeutet mehr Hirn keinesfalls mehr Intelligenz.

Leider nein. Im Gegenteil.

Savants erbringen übermenschliche Leistungen. Sie lesen zwei Buchseiten gleichzeitig, sie zeichnen sämtliche Strassen und Gebäude einer Stadt in allen Einzelheiten aus dem Gedächtnis, dies nach nur einem Flug über das Gelände. Man könnte meinen, sie nutzten mehr Gehirn als wir. Aber auch Schimpansen rechnen schneller als Menschenkinder. Beide, Schimpansen wie Savants, sind aus genau dem gegenteiligen Grund so erfolgreich:

Sie nutzen weniger Gehirn.

Eine Gehirnzone erbringt ihre volle Leistung, wenn sie von anderen Zonen ungestört bleibt, die brach liegen. Die Gehirnbereiche funken einander gerne ins Zeug.

Somit müssen wir unsere Auffassung von Intelligenz ändern: Mehr Gehirn hat zur Folge, dass jemand stockt und zögert und Einzelheiten ausblendet. Je mehr Möglichkeiten wir erkennen, desto mehr Zeit und Analyse benötigen wir, um zu Klarheit zu finden.

Wer also innehält, ergibt sich einer Art Lähmung, die wir gerne für Idiotie halten.

Dabei ist dann ein tatsächliches Mehr an Intelligenz wirksam.