Pädagogen sind unverbesserliche Weltverbesserer.
Die meisten jedenfalls. Das geht nur gut, wenn sie im Bildungsbetrieb an vorderster Front tätig sind. Als Vorgesetzte jedoch oder als Bildungspolitiker gereichen sie vielen, wenn nicht zum Schaden, so doch zum Ärgernis.

Dazu ein Beispiel: Seit Langem gilt unternehmerisches Denken auch im Bildungsbetrieb. Das nehmen Pädagogen ernst. Und sei es auch nur, damit sie das gängige Vorurteil vom weichherzig umsichtigen Reformer widerlegen. Unter anderem hat man von Firmen gelernt, wie man Mitarbeiter qualifiziert. Pädagogen, sofern sie Vorgesetzte sind, nutzen gewissenhaft die entsprechenden Instrumente. Sie vergleichen Fremd- und Selbsteinschätzung, wobei sie den Mitarbeiter zuerst sich äussern lassen, wie es sich gehört, damit, sofern nötig, in aller Deutlichkeit zutage tritt, ob die Person im Betrieb zweckmässig arbeitet. Dann werden genau drei Massnahmen zur Verbesserung festgelegt, sowie das weitere Vorgehen bei einer allfälligen Abweichung und freilich den Zeitpunkt der nächsten Überprüfung.

Neulich hatte ich Gelegenheit, mich mit dem Abteilungsleiter einer Schweizer Firma zu unterhalten, die Turbinen baut und weltweit vertreibt. Harte Wirtschaft also und seit Jahrzehnten globalen Winden ausgesetzt. Ich erzählte ihm von der Gewissenhaftigkeit der Pädagogen als Vorgesetzte. Daraufhin lachte er. Und ich durfte von ihm genüsslich erfahren, dass bei ihnen anlässlich von Mitarbeitergesprächen nur dann die Wahrheit auf den Tisch kommt, wenn das Unternehmen unter Druck steht. Sonst wird die Sache lobend durchgewunken, was sehr viel öfter der Fall ist.

Dieser peinliche Unterschied mag darin liegen, dass das Produkt seiner Firma, eine Turbine also, klare Kriterien hat, die sich eindeutig testen lassen, wohingegen Jugendliche nach Abschluss ihrer Schulzeit – ja, was mögen die für ein Produkt sein? Neuerdings ein Christbaum voller Kompetenzen. Kunden gibt’s für dieses Produkt allerdings keine.

Aber nur schon die Bestimmung, was eine Kompetenz sein soll, ist im Gegensatz zur Funktionsweise etwa einer Wellenturbine nach wie vor strittig. Dazu kommt, dass die meisten Schulen wirtschaftlich kaum unter Druck geraten können. Der Zustrom an Steuergeldern steht regelmässig offen.

Da sitzen sie nun, die unverbesserlichen Weltverbesserer, und benehmen sich andauernd als Unternehmer einer krisensicheren Einrichtung, die unklare Produkte erzeugt.