Die Schweizer Fussballer schaffen es kaum über den Achtelfinal hinaus. Dieser Bann macht Sinn.

In den 90ern besiegten sie Rumänien mit 4:1in der Vorrunde. Die Begeisterung, die damals aufkam, erschien mir kindlich, völlig ausser sich, ohne Reserven, die für eine Weltmeisterschaft unabdingbar. Und ein seltsames Vorzeichen war dabei wirksam. Nämlich die Frage: Dürfen wir das überhaupt?

Seit je sind Schweizer darum besorgt, dass sie umliegende Grossmächte nicht gegen sich aufbringen. Frankreich, das nachmalige Deutsche Reich, später die USA und die Sowjetunion. Diese Eigenart wurde seit Jahrhunderten gepflegt. Sie lässt sich auch dann schwerlich ablegen, wenn nur ein Ball am Fuss ist. Die USA zum Beispiel. Sie führen Wirtschaftskriege. Aus ihrer Position heraus brauchen sie nur den Knopf zu drücken, und die Schweiz gibt jüdische Vermögen frei oder verwässert ihr Bankgeheimnis. Eine Einrichtung, die immerhin auf einem Volksentscheid beruht.

In der nationalen Fussballmannschaft spielen jedoch Abkömmlinge von Immigranten in den vordersten Reihen. Wie können auch sie dieser Hemmung unterliegen? Als Antwort liesse sich darin ein Beleg ihrer Anpassung sehen. Das Resultat einer Leistung, die von ihnen unmissverständlich gefordert wurde.

Mit feiger Kleinbürgerlichkeit hat dieser Bann allerdings wenig zu tun. Im Gegenteil ist sie sachlich zwingend. Auch wenn es Kleinstaaten gibt, die einst Weltpolitik betrieben, wie etwa die Niederlande, so fehlt der Schweiz die Einheit, die dazu nötig wäre.

Und wo keine Einheit besteht, da lässt sich spielend von aussen hineinzündeln, damit das seltsame Gefüge brüchig wird, das vormals Genossenschaft hiess. Jede Kultur, die zur Schweizer Vielfalt zählt, hat einen grossen Bruder im Ausland, abzüglich der Rätoromanen, bei dem sich notfalls Schutz suchen lässt. Daher sind wir in der Schweiz auf Kompromisse bedacht, wo immer sie anstehen. Auch wird peinlich darauf geachtet, dass Minderheiten einbezogen werden. Und das tun wir nicht aus dieser Eigenart heraus, sondern weil die Verfassung es so verlangt. Ein Regelwerk, bei dem sogar Punkt und Komma per Volksentscheid festgelegt sind.

Auch wenn es fürchterlich altmodisch klingt, so sind wir eben doch eine Willensnation. Nichts passt zusammen, ausser die Absicht, dass wir zusammen gehören. Die Schweiz ist nie neutral, redet aber andauernd davon. Neutralität ist eben eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die sonst möglich sind.

Bei aller Vielfalt gilt Rücksichtnahme überall. Wie will man so Weltturniere gewinnen?