Pornos zeigen keine wahre Sexualität. Das höre ich immer wieder. Woher weiss man das eigentlich?

Es ist nur zu hoffen, dass sich jene, die diese Ansicht teilen, keine unerwünschte Blösse geben. Auch wenn beachtlich viele gleicher Meinung sind, können alle nur von ihrem eigenen Sex reden, von keinem sonst. Wenn sie also Wahrheit oder Echtheit von pornografischem Sex in Abrede stellen, tragen sie ihre Bettgeschichten ungewollt in die Öffentlichkeit.

Wie pornografisch ist denn das!

Ob ihr Sex aber mehrheitsfähig ist, wissen sie nicht. Und vor allem nehmen sie einfach an, dass er echt ist. Da kann man sich ein Schmunzeln nur mit Mühe verkneifen. Ich vermute, man hat keinen Begriff davon, wieviel beim Sex punkto Echtheit ungesagt bleibt. Damit lüfte auch ich etwas das Laken zu meinen Bettgeschichten.

Echter oder wahrer Sex, so wird ungenannt vorausgesetzt, muss mit Liebe zu tun haben. Im Ganzkörperkuscheln nimmt er seinen Anfang, die Einheit besteht rhythmisch fort, die Körper lösen sich erst voneinander, lange nachdem die Lust verebbt ist. Da findet die Kamera keinen Platz dazwischen. Dieses Dauerwallen zweier Körper ohne Abwechslung ist wenig publikumswirksam.

So gilt der Schluss, dass pornografischer Sex ohne Liebe abgeht und damit unecht ist. Diese Folgerung ist nicht zwingend. Auch wenn man verliebt ist, können sich die Körper sehr wohl so weit voneinander lösen, dass beide für sich ihre Lust geniessen. Die gesamte Kunst des Kama, das Dao der Liebe und einige tantrischen Formen wären so nur ohne Liebe möglich und folglich genauso unecht oder falsch.

Beim Porno sollte man vielleicht eher von einem neuartigen Spiessertum sprechen: Erst wird geleckt, sie ihn, er sie, dann wird begattet, von vorn, von hinten, von Loch eins zu Loch zwei, dann vielleicht zu Loch drei, je nach Anatomie und Bereitschaft, zum Abschluss erhält Dame eine Gesichtsmaske verpasst. Wer diese Übungen im Kopf hat und, nachdem er sie etliche Male durchdacht und durchträumt hat, genau in dieser Abfolge umsetzt, kann keinen echten Sex haben. Vielleicht hält man den Zauber für besonders wahrhaftig, als man früher unaufgeklärt in die Sexualität rutschte. Dann wäre auch die Aufklärung daran schuld, dass wir auf Übungen solcher Art fixiert sind. Aufklärung beschäftigt sich nur am Rande mit liebevoller Ganzheit. Es geht auch dort sehr wohl um technische Einzelheiten.

Wie beim Porno.

Echtheit wäre demnach ein Sinn für etwas Ganzes, während die Teile ausser Acht bleiben. Ein schöner Gedanke. Aber er kann unmöglich für alle zwingend sein. Zwar sind manche Heranwachsende, wie man hört, von dieser unwahren Sexualität erschöpft. Asexualität wird zu einem Lebensstil. Müssen sich nun aber diejenigen damit abfinden, unechten Sex zu haben, die ohne Weiteres darin aufgehen?

Wahrscheinlich ist es eher so, dass die Auffassung sich ändert, was echt und wahr ist, ob uns das passt oder nicht. Vielleicht wird in naher Zukunft, da immer mehr Heranwachsende zu Pornos greifen, schlicht und einfach eine andere Echtheit entstehen.

Und von der alten wird es kaum Zeugen mehr geben.

Am besten begnügt man sich damit: Echt und wahr am Sex ist Fortpflanzung. Und alles Weitere wäre ein Tamtam kultureller Evolution.