Alle Gesellschaft will Sicherheit. Es soll ja nichts Schlimmes passieren. Aber Sicherheit hat noch eine andere Aufgabe. Bei Redundanz wird diese beispielhaft deutlich.

Redundanz erklingt ausdrucksreich in Technologie und Systemtheorie. Wie so oft bedeutet dieser Fachausdruck weniger als vermutet. Unsere Kniefälligkeit vor Fremdwörtern ist selten begründet. So auch hier. Salopp übersetzt bedeutet Redundanz ‘doppelt gemoppelt’. Oder, wie das Sprichwort lautet: Zweifach genäht hält besser.

Bevor der erste Schnitt zur Operation gezogen wird, hat die gleiche Krankenakte zweimal vorzuliegen, die eine vom Chirurgen, die andere vom Narkosearzt. Ebenso muss in Projekten das Lastenheft des Kunden mit dem Pflichtenheft des Anbieters übereinstimmen. Eltern verhalten sich verzweifelt redundant, wenn sie das Kind mehrmals zu Tisch bitten.

Zu dieser Liste gehört auch die doppelte Buchführung. Bezeichnenderweise steht ihre Erfindung am Anfang der Moderne. Sie fördert den Frühkapitalismus, dieser die Glaubensspaltung, was zu Gemetzeln führt, die nur eine absolute Herrschaft befriedet. Der Rest ergibt sich wie bekannt: Hohe Kosten, Ausbeutung, Revolution, Restauration, Weltkriege, Demokratie.

Konto und Gegenkonto bieten mehr Sicherheit, wenn sie gleich bilanzieren. Die Kaufleute sind folglich vor Pannen gefeit, wie gesagt.

Aber diese Sicherheit fördert ebenso ihre Risikobereitschaft.

Sicherheit wendet Katastrophen ab, das könnte man ihre kleinbürgerliche Aufgabe nennen, und sie festigt aber auch die Ausgangslage zu weiteren Sprüngen. Darin wäre sie revolutionär.

Oder besser: Evolutionär.

Wir üben Druck aus, damit andere für die Sicherheit aller in der Spur laufen. Das sind Übergriffe, wie sie landauf landab geschehen. Wer sich deshalb gedemütigt fühlt, besinnt sich am besten auf diesen Aspekt:

Sicherheit macht risikofreudig.

Es ist die Hitze der Moderne, dass sie weiter über sich hinauswächst. Dazu steht laufend Sicherheit zu Gebot.

Doppelt oder besser mehrfach.

Sprich: Multipel redundant.