Es gibt Anzeichen dafür, dass das Leben den Planeten verlassen wird, bevor er in der Sonne verglüht oder neben ihr erkaltet. Diese Aussicht hätte das Zeug zur Religion. Zwar ist sie umstritten, aber das ficht Gläubige selten an. Wozu jedoch Religion in aufgeklärter Zeit? Ihr Ruf ist ohnenhin am Boden. Andere beschwören ihre dringende Wiederkehr. Sie brauchen die faule Aufwertung ihres Lebens mithilfe einer grossen Erzählung, die sie als Person verklärt.

Bei aller Kritik hat sich gezeigt, dass die Einstellung, die wir zu uns selbst haben, die Gesundheit beeinflusst. Auch der soziale Umgang  kann im Guten wie im Schlechten körperliche Folgen haben. Zu diesem Schluss kommt die Neurobiologie. Also Wissenschaft.

Demnach stellt sich zwingend die Frage, wie wir zu einer guten Einstellung zu uns selbst finden, wie zu einer Philanthropie.

Und eine gute Einstellung, das ist so bei uns Menschen, steht und fällt damit, dass wir in einem Sinn aufgehoben sind. Wenn wir mit Sinn meinen, dass wir mit Herkunft, Aufgabe und Ziel übereinstimmen, so gibt der Sternenhaufen, in dem wir stecken, so viel Sinn preis wie aufgewirbelter Staub. Wer in sich hineinhorcht, erhält genauso wenig Antwort auf die Frage nach dem Sinn seiner Person wie überhaupt nach dem Sinn des Lebens. Das Intimste in uns schweigt wie das Äusserste in kosmischen Tiefen. Religionen hingegen erzählen von einem gewaltigen Sinn, der uns in sich aufnimmt. Bildhaft gesprochen wird ein Faden, der wirr durcheinanderliegt, zu einem Knäuel aufgerollt.

So franst unser Leben nicht bloss irgendwie in die Zukunft aus.

Aber Religionen lassen sich als Politik zweckentfremden, zu der es notwendig gehört, dass der Sinn, von dem sie erzählen, durch Vorkommnisse unter Druck gerät, die ihn widerlegen. So werden Menschen, die den Widerspruch anzeigen, mundtot gemacht, verleumdet, ermordet. Überhaupt zeigt sich keine Religion in der Lage, das Übel, das uns zusetzt, in diesen Sinn aufzunehmen. Jeder Glaube unterhält eine Müllhalde zur Ausscheidung von Belangen, die nicht aufgehen. Solange dieser Einbezug misslingt, ist von Religion Abstand zu nehmen.

Aber nur Wenige kommen damit klar, dass alles Leben letztlich aus zittrigen Kleinstteilchen bestehen soll, die vom Zufall durchwirkt sind. Und wie hätte eine Philanthropie auszusehen, wenn sie das Übelste an uns in ihr Gutmenschentum aufnimmt?

Wenn wir annehmen, das Leben breite sich im Kosmos aus, damit es den zahllosen Supernoven entflieht, die trotz Jahrbillionen wie Blitzlichter im Kosmos funkeln, dann wird der Werdegang aller Natur und Geschichte auf Anhieb ganz anders lesbar. Zum Beispiel wäre die unbedingte Einheit von Natur und Mensch anzuerkennen.

Und zwar abstrichlos.

Dadurch würden menschliche Übel endlich in einem Sinn aufgehoben begreifbar und nicht aus Notdurft daraus geschieden. Denn diese Übel gehören zu diesem Werdegang notwendig mit dazu.

Diese Umwertung wäre, als Kern einer Philanthropie, die eispiellose Leistung eines Glaubens dieser Art.