Die folgenden Gedanken sind nicht an Traumatisierte gerichtet.

Menschen geraten in Vorfälle, die sie zerreissen. Wir hören täglich davon. Das Trauma, das erlitten wird, liegt auf der Hand. Schwieriger sind Wunden, die tief im Gestern ruhen. Und legt man sie erst frei, zeigen sie sich vieldeutig. So wurde ich in früher Kindheit ins Spital gegeben, was vorkommt, nicht zufällig, sondern mit Voraussicht. Und mit Sorge.

Aber aus Gründen, die sich auseinanderlegen liessen, war ich der Überzeugung, ich wäre ausgesetzt für immer. Abgeschnitten als Unrat. Isoliert, minderwertig.

Lacan meint, wir Menschen erlebten uns seit je als verstümmeltes Bündel geborenen Lebens. Nur Risse erleiden wir, die Geburt selbst, von Mutter und Mutterkuchen abgeschnitten, dann entwöhnt von der Brust und von lustvoller Ausscheidung nach Belieben, dann schrittweiser Verlust familiärer Obhut.

Aber im Spiegel entdecken wir, dass auch wir ganz sind und rund und fertig wie alles andere, was wir kennen. Wie die Eltern in ihrer überlegenen Vollkommenheit, denen wir uns, so entdeckt, voller Begeisterung im Spiegel zeigen.

Ozeanische Seligkeit, die so vertraute, hüllt uns ein und verströmt mit uns. Doch kein Weg führt in die Mutter zurück. Wir haben uns als Ganzes erkannt und begehren uns unter elterlichem Blick zwangsläufig nach vorn in ein Leben, das uns immer neu zerreisst. So taumeln wir zwischen Allmacht und Schwäche. Der Spiegel bekommt Risse. Das Trauma schöpft seine Macht genauso daraus, dass wir uns als ideal begehren. Wir könnten sonst vielleicht die Risse verwinden, in seliger Vergessenheit eines zufälligen Ideal-Ichs.

Wie ein Tier, das im kühlen Dickicht die Heilung seiner Wunde abwartet.

Natur lässt uns alle der Gehirngrösse wegen als Frühgeburt zur Welt kommen. Auf besondere Pflege angewiesen durchlaufen wir eine überlange Kindheit.

Die Erfahrung, wir seien verstümmelt, ist naturgegeben.

Es ist naturgegeben, dass wir uns als Ganzes begehren.

Dass wir nicht vergessen, was uns zerreisst. Oder nur mit Mühe. Oder ganz entschieden vergessen. Und augenblicklich.

Es ist das Leben, es sind seine Bewegungen, die uns einschläfern, die uns traumatisieren. Und indem wir unser Ideal-Ich anstreben, auch auf Kosten anderer, und Risse sorgsam vermeiden, treiben wir die Sache des Lebens voran.

Deshalb: Erkenne das Runde, das jederzeit Fertige am Leben, trotz Blut und Asche.

Aber wie nur?