Ein Vater beschwerte sich, die Mutter verwöhne den Buben. Schon zum xten Mal sei er wegen Bagatellen der Schule ferngeblieben oder Ähnliches. Wie könne sie nur so leichtgläubig darauf vertrauen, dass der Bursche schon seinen Weg machen werde.

Ihre Antwort darauf: „Der Junge wird seinen Weg machen, weil ich ihm vertraue!“

So einfach wäre das. Die Einstellung der Mutter deckt sich abstrichlos mit meiner Erfahrung. Die fünfzig Schulklassen, auf die ich bisher losgelassen wurde, unterschieden sich in vielerlei Hinsicht. Aber in einem sind sie alle gleich:

Um keinen Preis verscherzten sie mein Vertrauen in sie.

Und ich um keinen Preis das Ihre in mich.

Die Kunst, die fehlt, ist nicht, wie man Vertrauen gewinnt, sondern Vertrauen gibt. Das wäre die eigentliche Kunst des Vertrauens.

Vertrauen ist ein Schmiermittel für Bildung und Reife. Die Massnahmen jedoch, die die meisten Erzieher anwenden, haben weniger damit zu tun, als sie eher die Versagensängste dieser meist kleinherzigen Menschen widerspiegeln. Diese Ängste machen sie herrisch und dumm. Nicht ohne Grund wurde ihre Willkür zurechtreguliert.

Der Ausdruck Erzieher mag veraltet sein. Aber auch Pädagogen sind dem Wortsinn nach Leute, die am Kinde herummachen. Sehr oft hört man sie klagen, die Jugendlichen kapierten dies oder das immer noch nicht. Als bestünden junge Menschen nur aus Hirn!

Genauso haben sie Herz, Bauch und Arsch. Wie die Erzieher selbst, die manches auch nicht kapieren.

Wie wir alle.

Es stellt eben Ansprüche, wenn man dieser vielbeschworenen Ganzheit des Menschen mit Respekt begegnen will. Noch gibt es keine Kultur dazu, vielleicht Ansätze, die diese Ganzheit wirklich wertschätzten.

Man müsste Verstand und Gefühl auf einen Nenner bringen.

Dieser Nenner heisst: Mensch.