Früher hasste ich Weihnachtsmärkte. Heute geniesse ich den Strom von Bude zu Bude wie ein Bad in Lichtern und Düften. Überall Versöhnung und Geborgenheit. Ab und zu sind verfrühte Weihnachtmelodien zu hören. Abgesehen vom Chries der Tanne, dem Reisig, ist der ganze Trubel wenig christlich. Eher heidnisch. Holzofen, Magenbrot, Lebkuchen, Lakritz und Likör, Dattelkuchen, Schupfnudel, Zimtstangen und Zitrone in Glühwein, Rosmarin, Katzenkralle, Kräuteressig, Fenchelbonbons.

Dafür lächelt Buddha aus parfümierten Zelten. Ätherische Öle, Baldrianwurzel, Kreuzkümmel, weisses Sandelholz. Das erinnert mich an mein Vorhaben, eine Karte mit Standorten von Buddha-Figuren anzulegen, beschränkt vielleicht auf den Bodenseeraum. Diese Karte wäre mit Punkten förmlich übersäht.

Eigentlich atmet hier alles die pure Sehnsucht nach dem Wald. Seine Vorzüge sind handfester Art: Schmalz, Eingemachtes, Salz und Zucker, Pilze, Honig, Holzkohle. Seine Harze duften wie Blumen. Auch Weihrauch fehlt nicht, neu entdeckt als Heilmittel gegen Depression.

Genauer ist es die Tanne, um die sich alles dreht. Anders als Laubbestand spendet ein dichter Tannenwald wohnliche Geborgenheit. Mit Dach und einem Nadelboden als Teppich. Die Romantik greift tief: Tannhäuser, Tannenhof, Tannenberg.

Der Wald ist zuverlässiger als Finanzmärkte, Parteipolitik oder Staatenbünde. Lieber auf Wohlstand verzichten als auf Wald. Diese Sehnsucht ist zu würdigen, statt dass man sie als reaktionär und weltfremd abstempelt. Vielleicht wird sich dann ihre Abkapselung gegen Weltenwinde und Völkerströme eher entspannen.

Im Übrigen hatten die ersten Menschen, die den Wald hinter sich liessen, in ihm gelebt. Das sollte den heutigen Romantikern und Ökos zu denken geben.

Sie hatten damals Gründe, ihn zu verlassen. So wie wir heute für die Sehnsucht nach Wald Gründe haben.