Bis anhin war ich der Überzeugung, Judenhass sei von gestern. Leider muss ich umdenken.
In seiner neusten Veröffentlichung zum Mindset der Weltelite erzählt Douglas Rushkoff von einer kleinen Gruppe Schwerreicher, mehrfache Milliardäre, die in einem abgelegenen Luxusressort seinen Rat zum Überleben ihrer Zunft einholen. Namen verrät er keine, auch keine nationale Zugehörigkeit dieser Schwergewichte. Ihnen ist klar, dass sie nach der kommenden Weltkatastrophe, von der alle reden, Schutzpersonal für ihre Bunker benötigen. In diesem Zusammenhang fantasieren sie sogar über Halsbänder, die diesen Leuten anzulegen wären, damit sie ihnen treu bleiben. Als sozial orientierter Internet-Anarchist empfiehlt Rushkoff [p 13] stattdessen, diese künftigen Angestellten schon jetzt an sich zu binden, allerdings indem sie Gutes für sie tun. Und hier nun verrät der Autor zumindest die Gruppe, zu der die Schwergewichte gehören. Er schlägt nämlich vor, sie sollten den Wachleuten die «Bat Mizwa» ihrer Töchter finanzieren.
Damit dürfte klar sein, dass es sich um Juden handelt, wobei die Überzeugung in Rechnung zu stellen ist, dass diese Schwerstreichen gewiss nur dann ausschliesslich Juden als Wachleute einstellen, wenn sie selber Juden sind. Warum aber wählte der Autor dieses verräterische Beispiel? Ich hoffe, um klarzumachen, wie stark die Bindung sein soll. Eine Bat Mizwa für Mädchen oder Bar Mizwa für Buben bedeutet die Aufnahme in die religiöse Gemeinschaft, wohl vergleichbar mit einer Konfirmation. Das hat im Judentum eine besondere Bedeutung, da sich die Gruppe als Volk über ihre Religion bestimmt. Eine hochbedeutsame Feier also, für die man wie bei einer Hochzeit überdurchschnittliche Geldmittel einsetzt. Ich hoffe, Rushkoff hat das Beispiel gewählt, damit, wie betont, seinen Zuhörern die Höhe einer persönlichen Zuwendung klar wird, die nötig ist, um langfristige Treue von Menschen unter schwersten Bedingungen zu erlangen.
Diese Andeutung jedoch könnte weiteren Antisemitismus befördern.
Dass Rushkoff Antisemit wäre, halte ich für ausgeschlossen. Dennoch deutet er mit hoher Wahrscheinlichkeit die ethnische Zugehörigkeit seines höchsterlesenen Publikums an. Die hochempfindliche, seit Jahrhunderten geschulte Wachsamkeit von Juden bezüglich Antisemitismus ist nicht nur um greifbaren Hass besorgt, sondern ebenso um ungeschickte Vorgehensweisen, wie ebensolche Hinweise, die beiläufig geschehen oder mit anderen Absichten. Das hat im Dritten Reich genügend Menschen das Leben gekostet.
Wie immer man die Sache sieht, Juden haben allen Grund, ihr Rettungsboot so früh wie möglich hochseetauglich zu machen. Die nötige Logik ergibt sich aus der Geschichte ihrer Verfolgung. Seit zwei Jahrtausenden leben sie mit anderen Völkern durchmischt. Wann und wo immer eine Krise aufzog, kam es zu ihrer Abschlachtung. Wird die durchmischte Gesellschaft von Krisen heimgesucht, die an die Grundversorgung gehen, wird auf Juden losgegangen. Es gibt kein Argument, das helfen würde, ihnen die Gewissheit auszureden, solche Übergriffe würden von nun an aufhören, als hätte sich der Judenhass seit der Shoa einfach von selbst erledigt.
Rushkoffs Ausführungen zum Mindset einer Elite mit noch nie dagewesenen Geldmitteln stützt die Tatsache, dass mehr Leute in Erwartung einer Krise massiven Ausmasses leben, als mir klar ist. Andererseits wird für mich nachvollziehbar, warum die Zionisten seit Jahrzehnten nun mit vermehrter Brutalität in Nahost Platz schaffen, damit nämlich ein Schutzraum für Juden überhaupt vor holocaustähnlichen Ereignissen zukünftig gewährleistet sein wird. In diesem Fall werden diese Ereignisse mit der kommenden globalen Krise einhergehen, so die Logik.
Und wie immer beim Überleben sind alle Mittel erlaubt.
Ein mehrfach hingeschlachtetes Volk organisiert sich Sicherheit. Dank des antiarabischen Rassismus von uns christlich und säkularen Westlern als scheinbar reumütige Judenmörder geht das erneut auf Kosten eines anderen Volkes. Zu Zeiten des Völkerbundes befand sich praktisch das gesamte Heilige Land im Besitz der dort ansässigen Araber, auch stellten sie nahezu die gesamte Bevölkerung. Heute sind es verschwindend geringe Prozent. Leider ist davon auszugehen, dass niemand seine Heimat freiwillig aufgegeben hat. Diese Jahrzehnte bis heute muss man daher als schleichende Enteignung verstehen. Ein Vorgang, der nebenbei den liberalen Grundsätzen zuwiderläuft, für die der Westen einsteht. Es sind ja, bloss «Sandneger», die Indianer des Nahen Ostens.
Der Westen ist der grosse Antisemit, erst aktiv gegen Juden, nun passiv gegen Araber.
Seine rationale Panikkultur hat eine Reihe weiterer Extremismen hervorgebracht, etwa der imperiale Kolonialismus, der offensichtlich noch nicht der Vergangenheit angehört, solange mittels Ausbeutung seltene Erden für unsere Smartphones geschürft wird, und solange Vorgänge geschehen wie in Nahost.
Es kommt mir vor, als beanspruchten die Zionisten nun das gleiche Recht wie England, wie Frankreich, wie Belgien, wie die Vereinigten Staaten, so genannt unterentwickelte Einheimische auszurotten, damit Raum für ihre Möglichkeiten geschaffen wird.

