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Die Krux mit der Korrelation

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Gewisse Dinge treten wiederholt gleichzeitig auf: Ist das Eine der Fall, trifft auch das Andere zu. Ihre Daten bilden eine Korrelation, sie laufen gleich oder ähnlich. Das kann kein Zufall sein. Daher finden wir, es müsse dazwischen einen ursächlichen Zusammenhang geben. Bei dieser Überzeugung ist aber mehr Glaube im Spiel als Wissen.

A verursacht also B unter allen Umständen, sofern es zeitlich früher auftritt, ohne dass wir die ursächliche Zündung mitbekämen. Im Alltag sind wir sofort zur Annahme dieses Zusammenhangs bereit: Wenn ein Bub immer dort in der Nähe gesehen wird, wo ein übler Streich passiert, wird man ihn sofort für den Urheber, sicher für einen Mitläufer halten. Diese Annahme lässt sich auch nur schwer von der Hand weisen, gerade wenn wir in alltägliche Mühen verstrickt sind, die uns hindern, genauer hinzusehen, da sie uns Einiges abverlangen.

Also nehmen wir die Korrelation für einen Kausalzusammenhang aus intim ökonomischen Gründen.

Ein Beispiel: Ein Mann hat ernste Probleme. Etwas Medizinisches vielleicht, oder etwas Innerfamiliäres, weshalb er Beratungen von verschiedenen Seiten einholt. Aber es hilft nichts. Die Situation droht zu kippen. Entgegen seiner Gewohnheit schickt er ein Stossgebet zum Himmel. Tage später löst sich das Problem auf einmal. Gebet und Lösung korrelieren miteinander. Und zwar zeitversetzt, sodass die Überzeugung, es bestehe dazwischen ein ursächlicher Zusammenhang, sich förmlich aufdrängt. Wie sollte man ihr widerstehen? Öffentlich darauf angesprochen wird der Mann zwar den Zufall als Erklärung bevorzugen, wie es unsere Gesellschaft von ihm erwartet. Privat jedoch wird er diese Ereignisfolge wundersam finden. Die vielen Ex-Voto in Kirchen, also Dankesbekundungen für marianische Hilfe, zeugen für diesen starken Glauben, den wir sogar für bewiesen halten, obwohl das selten der Fall ist.

Irgendwie können wir kaum anders.

Nach Ansprüchen der Aufklärung bleibt es unbewiesen, ob das Stossgebet als Massnahme die Lösung verursacht hat, so sehr die Verblüffung darüber auch nachklingen mag. In der Wissenschaft bestehen hohe Ansprüche, bis eine blosse Korrelation, bei der Dinge wiederholt gemeinsam oder nacheinander auftreten, als ursächliches Verhältnis bestätigt wird: Verschiedene Gruppen von Wissenschaftlern, am besten global verteilt, untersuchen den gleichen Sachverhalt mit der gleichen Methode und kommen bei immer gleicher Vorhersage zu den gleichen Ergebnissen. So einfach wäre das. Aber es klärt sich auf Anhieb, dass es sich um einen idealtypischen Fall handelt, der in keinem Fall durchgängig so umsetzbar ist. Das wäre viel zu umständlich und zu kostspielig. Dazu kommt, dass auch die Wissenschaft auf die Rendite zu achten hat, seitdem die Berufswelt liberalisiert ist. Also begnügt sie sich in vielen Fällen umso mehr damit, dass eine offensichtliche Korrelation als ursächlichen Zusammenhang behandelt wird. Hat sie Erfolg damit, besteht kein Grund, dass man das unbewiesene Kausalverhältnis nach wie vor in Zweifel zieht.

Blöderweise geht die Esoterik genau gleich vor. Wenn im Geburtshoroskop einer chronisch trübsinnigen Person um Saturn eine Spannung herrscht, heisst das so lange gar nichts, bis die gleiche Situation bei anderen Leuten entdeckt wird, die zu Schwermut neigen. Zwei Dinge tauchen gleichzeitig auf: Die depressive Art und ein spannungsgeladener Pluto im Geburtshoroskop. Auch Astrologen lassen sich von Korrelationen leiten. Genau wie Wissenschaftler. Je beharrlicher, je ausnahmsloser sie auftreten, desto schwerer fällt es uns, das Kausalverhältnis anzuzweifeln, das dazwischen bestehen kann.

Ein starke Korrelation taucht in der Klimadebatte auf. Dort wird sie aber geächtet, da sie den menschlichen Einfluss auf den Wandel für deutlich beschränkt sieht. Zwei Datensätze korrelieren miteinander, nämlich die Dichte an Sternen rund um die Erde, die mit dem Orionarm in der Galaxie wandert, sowie die Konzentration an Kohlenstoff im Boden. Die Korrelation erfolgt in umgekehrtem Verhältnis: Je höher die Dichte an Sternen, desto geringer die Konzentration. Zwei fachlich und betreffs Standort völlig verschiede Teams, nämlich israelische Geologen und dänische Astrophysiker haben diese Korrelation durch Zufall entdeckt.

Nun ist es die Politik, die sich weigert, darin einen ursächlichen Zusammenhang zu sehen.

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