Wo immer ich bin, lasse ich mich von ästhetischen Momenten ansprechen. Ich kontruiere sie nicht, ich lasse sie geschehen. Lasse mich befallen davon. Sofern möglich, fotografiere ich die Situation. Anschliessend bearbeite ich das Bild mal dezent, mal extrem, damit der ästhetische Moment deutlich hervortritt. Schliesslich male ich die Szenerie.

Meine Kunst ist damit unpolitisch. Diese Erwartung an die Kunst, die ich verfehle, besteht seit Langem und aus klaren Gründen. Mir scheint jedoch fraglich, ob Kunst tatsächlich politisch wirksam ist. Picassos ‚Guernica‘ hat keine weiteren Massaker verhindert. Auch die ebenso beeindruckende Coyote-Performance von Joseph Beuys aus dem Jahr 1975 hat die Lage von Minderheiten in den USA nicht verbessert.Vielleicht hat er politisch Verantwortliche sogar verschreckt, sicher aber ihre Wählerschaft, sodass sie noch rigider durchgriffen.

Kunst ist freie Meinungsäusserung. mehr nicht, aber auch nicht weniger. Wenn ich politisch wirksam sein will, starte ich eine Petition, nehme an Vernehmlassungen teil, unterschreibe Referenden oder lanciere welche, stelle mich zur Wahl und so fort.

Im ästhetischen Moment sind Mensch und Welt immerhin miteinander verbunden. Und auch Mensch mit Mensch, sonbald klar wird, dass man die ästhetische Wirkung gleich oder ähnlich empfindet. Die menschliche Wahrnahme von Ästhetik ist deshalb politisch in weitem Sinne.

Finde ich.

 

Pobri, Aug 2019