Was will man Neues über den alten Schnitter sagen! Der Tod sitzt im Herzen jeder Angst. Er ist die totale Panne, meint Tinguely. Und nur, weil wir über unser Ende Bescheid wissen, nehmen wir überhaupt etwas als sinnvoll wahr.

Seitdem ich eine Art Kundalini-Yoga betreibe, wenn auch mit etwas toxischer Beihilfe, wünschte ich mir, dass mein Körper aufbricht und seinen Stern ins All entlässt, wo er zu einer kleinen Milchstrasse zerstäubt. Diese Sehnsucht lässt sich gewiss nicht verallgemeinern. Und sie hält auch nicht durchwegs an.

Ein Freund von mir hat als Pfleger schon einige Personen in den Tod begleitet. Es gäbe Arten des Sterbens, sagte er einmal, die er niemandem erzähle. Ich nannte eine Vermutung, woran die Schwierigkeit zu sterben liegen könnte. Und zwar ginge es nicht um die Furcht, dass wir ins Ungewisse schlechthin fallen, wie es leicht anzunehmen wäre. Der eigentliche Grund: Man lässt Ungelöstes zurück. Und jede Gelegenheit zur Wiedergutmachung ist längst vertan.

Das sei nicht falsch, verriet er.

Sterben hat mit dem Leben zu tun. Man könnte jetzt den Rat abgeben, dass wir bei allem, was wir tun und unterlassen, genau überlegen, wie wir einmal darauf Rückschau halten wollen. Als ob wir alles unter Kontrolle hätten. Das schürt nur Ängste. Immerhin gibt es Menschen, die in Schuldfallen geraten und ein ganzes Leben nicht herausfinden.

Das Neue am Tod ist darin zu sehen, dass sein Zusammenhang zum Leben nicht nur persönlich ist.

Denn der Tod ist gar kein Gegensatz zum Leben, sondern eine seiner vielfältigen Einrichtungen.

So spricht die Forschung. Der Tod gehört dem Leben, nicht umgekehrt. Es gab Leben, bevor es den Tod gab.

Als alles mit allem in Austausch stand.

Dahin sinken wir zurück, irgendwann. Eine Herkunft in uns, ein Zielpunkt schönster Sehnsucht.